Ich-Botschaft

Ich-Botschaften – Jede Woche eine neue Ich-Botschaft

In den kommenden Wochen zeige ich Ihnen anhand vieler Beispiele aus dem täglichen (Trainer- oder Führungskräfte-) Leben den Unterschied zwischen einer Ich-Botschaft und einer Du-Botschaft.

Es gibt kaum ein besseres Kommunikationswerkzeug, um Diskussionen, Konflikte und sonstige schwierige Gesprächssituationen zu entschärfen, als eine

Ich-Botschaft

Mit einer Ich-Botschaft teile ich unmissverständlich meine eigene Meinung mit, ohne schwach oder verletzend/angreifend zu sein. Richtig formuliert sorgen Ich-Botschaften fast immer für eine Deeskalation und dafür, dass ein Gespräch persönlicher und verbindlicher wird.

Eine Ich-Botschaft besteht aus einem Gefühls- und einem Tatsachenanteil: In der Ich-Form vorgebracht, werden geäußerte Gefühlsstimmungen nicht zur verletzenden Kritik am anderen, wie es häufig bei Du-Botschaften (z. B. „Du lügst immer!“) der Fall ist. Dadurch wird eine unfruchtbare Konfrontationssituation vermieden und trägt der Tatsache Rechnung, dass zuerst der Sprecher ein Problem hat, nicht der Angesprochene.

Vier Schritte zur Ich-Botschaft

Eine Ich-Botschaft ist idealerweise eine vorwurfsfreie Verhaltensbeschreibung anstatt einer vorwurfsvollen Suche nach einem Schuldigen. Nur dann hat mein Gegenüber die Möglichkeit, meine Äußerungen einzuordnen und nachzuvollziehen. Daher sollte eine Ich-Botschaft immer in vier Schritten formuliert werden.

          1. Konkrete Beschreibung der Situation bzw. des störenden Verhaltens aus Ihrer Sichtweise
            Wichtig dabei ist es, zwischen  Beobachtung und Bewertung klar zu trennen.
            Wenn Sie sich während meiner Präsentation mit Ihrem Nachbarn unterhalten…
          2. Beschreibung der Auswirkungen und/oder schildern der eigenen Gefühle
            Dann lenkt mich das ab weil…  oder
            Dann bin ich kurz verunsichert, weil…
            … weil ich dann glaube, Sie haben eine Frage oder ich habe mich nicht verständlich genug ausgedrückt.
          3. Wünsche/Erwartungen/ wie es weitergehen soll
            „Daher bitte ich Sie, eventuelle Fragen direkt an mich zu stellen. Sofern Sie andere wichtige Dinge zu besprechen haben, die keinen Aufschub dulden, können Sie diese gerne draußen besprechen. Dann stören wir uns nicht gegenseitig.“
          4. Gegebenenfalls am Ende eine (offene) Frage an den Gegenüber
            „Ist das für Sie ein gangbarer Weg?“ oder
            „Passt das so für Sie?“ oder
            „Haben Sie einen besseren Vorschlag, wie es gehen kann?“

Wichtig:

  • Viele Begriffe, die wir für Gefühle benutzen, drücken eine Bewertung des Empfängers aus, so z.B. missverstanden, unterdrückt, missbraucht, getäuscht etc.
  • Negative Gefühle entstehen, weil Ihre Bedürfnisse nicht erfüllt sind und nicht, weil Ihr Gegenüber sich so oder so verhält. Also nicht “Ich bin ärgerlich, weil Sie…”, sondern “Ich bin ärgerlich, weil ich … brauche”!

Wichtig:

  • Wünsche/Erwartung ist keine Forderung! Sie können niemand dazu zwingen, Ihre Bedürfnisse zu erfüllen, Falls Sie es doch versuchen, bekommen Sie früher oder später die Quittung dafür. >

Zu beachten:

    • Manche Ich-Botschaft ist keine, sondern ein Vorwurf, eine Beschuldigung, ein Urteil und damit eine verdeckte Du-Botschaft. Beispiel: „Ich finde, du bist faul“ ist gleich „Du bist faul“ oder “Ich fühle mich missverstanden!” = Du verstehst mich nicht“ oder „Ich habe das Gefühl, Sie nehmen mich nicht ernst!” = „Du nimmst mich nicht ernst“ oder „Ich fühle mich betrogen.” = „Du betrügst mich“ – Diese Sätze werden vom Empfänger garantiert als Kritik und Anschuldigung verstanden (wofür sie meist auch gedacht sind.). Die Konsequenz: Der Konflikt eskaliert weiter, es kommt zu Verteidigungen, weiteren Anschuldigungen etc.
    • Manche Du-Botschaft tritt verdeckt auf (und wirkt dann u. U. besonders verletzend). Beispiel: „Das ist doch blanker Unsinn“ als Entgegnung auf etwas Gesagtes entspricht „Du redest blanken Unsinn“. Fairer wäre: „Ich kann den Sinn dessen, was Du sagst, nicht erkennen.“
    • Abschwächer und Konjunktive wirken unsicher und nehmen die Prägnanz. Beispiel: „Es macht mich ein bisschen traurig, dass dir das manchmal so egal ist.“
    • Durch Generalisierungen wie z.B. immer, dauernd, oft, ständig wird die Aussage zu einer Killerphrase, da sie eine unterschwellige Bewertung darstellt und meistens dazu führt, dass sich der Empfänger ungerecht bewertet fühlt.
    • Sie greifen den Empfänger an und provozieren eine unfruchtbare Konfrontationssituation.
    • Formulierungen mit „man“ oder „wir“ beziehen andere ungefragt mit ein und bauen damit Blockaden auf. Meistens werden „man“ und „wir“ Formulierungen benutzt, um sich selbst zu stärken und zu schützen.

WIE SIND IHRE ERFAHRUNGEN MIT ICH-BOTSCHAFTEN?
FÜR WELCHE SITUATIONEN SUCHEN SIE EINE GUTE ICH-BOTSCHAFT?

Ihr
Andreas Straub

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Andreas Straub

Andreas Straub

Andreas Straub, Jahrgang 73, ist seit 1999 als Trainer tätig. Zuerst bei Process One als Outdoor- und Teamtrainer, später als Verantwortlicher für die Bereiche Moderation und Konfliktmanagement für Neuland & Partner. Darüber hinaus war er mehrere Jahre als Dozent für den Studiengang Soziale Kompetenz und als Trainer für Management Circle und Euroforum tätig. Seit 2004 ist er Geschäftsführer von andyamo.

Der gelernte Werkzeugmacher und diplomierte Sozialpädagoge, der vor seiner Trainer- und Beratertätigkeit schon in vielen Branchen in unterschiedlichen Führungspositionen gearbeitet hat, bezeichnet sich als umtriebigen Querdenker. Motto: „Von einem Dummen kann man nichts lernen –aber von einem Faulen“. In seiner Freizeit verbringt er so viel Zeit wie möglich mit seinen drei Söhnen. Auf Best Practice Training schreibt er vor allem zu den Themen Präsentation & Rhetorik, Moderation sowie Dialektik & Argumentation.

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