Wege Ziele

Empathie, Wege und Ziele

When Love Goes Wrong, Nothing Goes Right.

Marilyn Monroe’s Song aus dem Film: <Blondinen bevorzugt>

Ich nehme mal Marilyn Monroe’s Songzeile als Ausgangspunkt. Die Wissenschaften und auch die Best Practice Management Schreiber haben vergessen, dass es neben der methodischen Wahrnehmung auch immer einen spontanen, emotionalen und gefühlten Zugang gibt! Alle innovativen Führungskräfte haben diesen Zugang, den ein Künstler nutzt, weil Sie einfach die Tätigkeit machen, die Ihnen die meiste Freude bereitet und dadurch natürlich fast von selbst läuft!

Empathie ist auch im Vertrieb und Verkauf wichtig. Es ist zentral, dass Sie mit Freude und Gespür bei Ihrer Tätigkeit sind! Sonst – denken Sie an die Songzeile – funktioniert nichts mehr richtig! Dies bedeutet natürlich für Sie selbst, dass Sie darauf achten müssen, dass Sie am richtigen Platz sind! So etwas – im Coaching oft erlebt – ist manchmal ein intensiver gelegentlich auch ein schmerzhafter Klärungsprozess.

Dies gilt natürlich auch in der Führung. Da gibt es ja immer Moden. Leider gab es bis vor einiger Zeit eine Überbetonung der Zielorientierung. Und damit entstanden die ritualisierten und oft sinnentleerten Vereinbarungsrituale. Aber da verändert sich in vielen Unternehmen gerade Einiges. Vor drei Wochen führte ich mit einem Kollegen einen solchen Workshop durch. Vorwiegend spielerisch, leicht, emotional und ganz persönlich in einer herrlichen Mittelgebirgslandschaft. Nach dem Workshop ein Gruß an uns Moderatoren von der internationalen Geschäftsführerin. Und eine sehr emotionale Verabschiedung des internationalen Leitungsteams untereinander machte diese drei Tage auch für uns zu einem persönlichen Erlebnis!

Aber viele Unternehmen gehen bereits weiter. Sie verzichten fast vollständig auf genaue Zielvereinbarungen. Ein gutes Beispiel dafür ist dm Markt. Hier konzentriert man sich fast von Beginn an auf genaue Kunden- und Bedürfnisanalysen und überlässt die andern Ziele den Leitern der Filialen.

Ich bin seit 33 Jahren bei dm, und es hat in dieser Zeit noch nie ein Wachstums-, Gewinn- oder Umsatzziel gegeben. Unser Ziel ist es, für die Menschen da zu sein. Wenn ich das gut mache, kann ich darauf vertrauen, dass der Erfolg von alleine folgt – das steckt schon im Begriff mit drin. Stellen Sie sich vor, Sie gehen in ein Geschäft, um einen Anzug zu kaufen. Wenn der Verkäufer zum Ziel hat, einen bestimmten Umsatz zu erreichen, verkauft er Ihnen den teuersten. Wenn er Ihnen aber den verkauft, der Ihnen am besten passt, kommen Sie wieder. Diese Haltungsfrage ist uns ganz besonders wichtig.

Erich Harsch Geschäftsführer von dm Markt

Denn: Wie schon einmal Reinhard Sprenger vor Jahren schrieb, macht es mehr Spaß, über den Weg zu einem Ergebnis zu diskutieren und an der Umsetzung zu arbeiten. Aber vielleicht machen Sie das ja bereits in Ihrem bereich ebenfalls so? Ich drücke Ihnen dazu die Daumen!

Herzlichst Ihr
Bernd Hofmann

Innere Stille

Gefühlte Leichtigkeit durch innere Stille

Liebe Leser,

wenn eine gewisse Leichtigkeit des Führens effizient ist, dann ist die Basis dieser Leichtigkeit – die innere Stille in ihren verschiedenen Ausprägungen – ein zentraler Erfolgsfaktor für alle Aktivitäten. Ich könnte Ihnen hier noch aus vielen Quellen ähnliche Zitate nennen. Es gibt sie zuhauf. Mir geht es nicht darum, akademische Beweise anzufügen. Auch hier geht’s um die persönliche Erfahrung. Alles Diskutieren und Definieren führt davon weg. Erfahrungen der Stille, des Innehaltens werfen einen angenehmen, dauerhaften Lichtstrahl auf alle unsere Erlebnisse. Alles wird intensiver, farbiger, fröhlicher, tiefer und angenehmer. Und gleichzeitig werden wir entspannter! Einfach gesagt: Es ist ganz praktisch, eine solche Erfahrungsmöglichkeit zu besitzen.

Das ist natürlich keine Theorie! Es ist die körperlich spürbare Empfindung des Getragenseins durch unsere Umgebung, durch alles, die dadurch wächst. Das ist keine aufgesetzte oder erlernte Selbstsicherheit. Und auch keine erlernte Resilienz! Eigentlich hat dies gar nichts mit dem Verstand zu tun. Es ist das gefühlte Eingebettetsein in alles.

Zugänge zur Inneren Stille

Es existieren spontane Zugänge zu innerer Stille. Wenn ich jedoch selbst ein Bedürfnis habe, diesen Zugang zu finden oder zu vertiefen, dann muss ich dies mit Methoden tun!

Es geht also zunächst nicht um Techniken – klar, die gibt es auch – sondern vor allem um ganz private, persönliche Zugänge. Und da entdeckt jeder seine eigenen. Gerade Führungskräfte, die eigenständig sein wollen, vertrauen hier ihrem ganz persönlichen Gespür. Dies kann der ruhige Blick aus dem Fenster oder in den Abendhimmel sein, Zweisamkeit oder eine Tätigkeit, bei der Sie Kraft schöpfen können.

Dies ist ein ganz entscheidender Punkt: Sie brauchen keine Autoritäten, keine Lehrer, auch nicht die „richtige“ Technik oder „Organisationen“ etc., um sich dann womöglich mehr mit denen und vor allem mit deren „Regeln“ zu beschäftigen, als mit Ihren eigenen Erfahrungen und Ihrem immer besser geschärften, inneren Kompass. All dies führt wieder von uns weg und damit in die Abstraktion. Es geht darum, diesen friedlichen Blick, unfokussierten Blick in den Abendhimmel, die Einheit und Harmonie, die wir da empfinden, auf andere Lebenssituationen auszuweiten und dann haben Sie schon eine pragmatische Lösung für den Alltag!

Dies hat nichts mit Überzeugungen zu tun. Glauben bedeutet, dass wir bereits eine Sicht, eine Theorie, eine Einstellung „haben.“ Oder – besser ausgedrückt – die Einstellung hat uns. Dann können wir auch nicht mehr offen sein. Dies gilt auch bei unseren Vorstellungen über innere Stille. Jede Vorstellung, jede ausschließlich theoretische Überlegung zur inneren Stille stört, jedes Räsonnieren vermindert die Erfahrung oder macht sie zunichte. Suchen Sie Ihren ganz persönlichen Zugang!

Wie Sie zur Erfahrung innerer Stille kommen? Ihr ganz individueller Zugang ist entscheidend und der ist nie vergleichbar. Wozu auch? Ob methodisch oder nicht, nach Gusto oder systematisch. Ganz gleich. Sie wissen ja selbst, was Sie erfahren haben, denn das Wissen darüber steckt in dem Erlebten selbst. Wenn Sie eine intensive Erfahrung innerer Stille machen, wissen Sie, das war es!

Es geht ausschließlich um Ihre persönliche Erfahrung und deren positive Auswirkungen und nicht um Beschreibungen davon. Die können Ihnen letzten Endes egal sein. Sie sind völlig unwichtig. Für das Unbeschreibliche kann es nur die persönliche Deutung geben und selbst diese ist uninteressant. Das ist natürlich eine schlechte Nachricht für alle, die „richtige Methoden und Lehrsysteme“ haben und die vor allem gerne Vergleiche erstellen! Die einfachsten Erfahrungen sind auch die Wirkungsvollsten!

Selbstverständlich müssen Sie nicht einmal in die Natur gehen, um innere Stille zu erleben. Es kann während Ihrer täglichen Arbeit geschehen. Es ist so etwas wie ein Nullpunkt, ein Stopp, den Sie zunehmend mit der Erfahrung und Übung nutzen können, um einen neuen Ausgangspunkt zu finden. Manchmal geschieht dies auch völlig von selbst. Je mehr Übung Sie darin haben, still zu sein, desto schneller und unglaublicher kommen die Erfahrungen und Antworten zustande. Es genügt, nach ein klein wenig Übung, diese Momente zu beabsichtigen, dann werden Sie auch ganz individuelle Wege dazu entdecken. Es ist gleich, welche Wege Sie entwickeln, um Erfahrungen innerer Stille möglich zu machen. Einen Ruhepol, an den Sie immer wieder zurückkehren können. Was da aus der Stille entsteht ist immer einzigartig. Die Qualitäten innerer Stille sind vielfältig und wirken sich bei jedem Einzelnen unterschiedlich aus. Hier finden Sie eine Beschreibung der verschiedenen Aspekte.

Die Erfahrung Harrison Owens ist dabei entscheidend: Offenbar beschleunigen solche Erfahrungen Prozesse der Kommunikation und der Selbstorganisation! Und genau dies nutzte Owen und ich inzwischen ebenfalls! Ich habe darüber grade ein Buch abgeschlossen! In der Medizin nennen wir das, was hier geschieht, eine Heilung!

Einen Heilprozess können wir nicht nur medizinisch sehen. Heilung ist ein genereller Prozess, der natürlich auch in Teams, im Unternehmen stattfinden kann. Heilung einmal so verstanden, dass die Funktionen innerhalb des Unternehmens vital stattfinden! Und dies hat enorme Auswirkungen. Doch davon mehr in den nächsten Beiträgen von mir!

Herzlichst Ihr
Bernd Hofmann

Inspiration

Unternehmerische Inspiration – Teil 2

 

Wie sieht es mit der eigenen Inspiration aus?

Sie als Chef sind immer Vorbild mit Ihrem Verhalten, deshalb sollten Sie darauf achten, sich selbst und andern so wenig wie möglich etwas vorzumachen, das wissen Sie! Auch in der eigenen Motivation und Inspiriertheit sind Sie der Spiegel, in dem sich Ihre Mitarbeiter sehen! Was ist für Sie als Chef, Unternehmer, Teamleiter hier wichtig? Diesen Fragen sollten Sie sich selbst stellen:

  1. Ist das, was ich tue, vorwiegend von einer inneren Motivation geleitet?
  2. Bin ich am Abend meist zufrieden mit mir wenn ich nach Hause gehe?
  3. Erlebe ich immer wieder, fast jeden Tag ein wenig persönliche Inspiration in meiner Tätigkeit, auch wenn es manchmal schwere Entscheidungen mit sich bringt?
  4. Habe ich auf Dauer das Empfinden eines persönlichen Gewinns durch meine Tätigkeit?

Eigentlich müssen Sie dann auf Dauer energievoller sein, vorausgesetzt, Sie achten auf Ihre inneren Impulse.

Wenn Inspiration im Team fehlt…

Was tun, wenn diese kreative Inspiration in Ihrem Team oder Unternehmen nicht in ausreichendem Maß da ist? Wenn Motivierung notwendig erscheint? Ihnen die Potentiale bei den Führungskräften fehlen sollten? Das ist in vielen Fällen die Standardsituation.  Hier geht es darum, mit sich selbst organisierender Führung Mitarbeiter genau zu dieser Selbstverantwortung und damit zum Ernstnehmen der eigenen Motivation zu führen.

Und es gibt es wenig effiziente Vorgehensweisen, wie ich es immer wieder in Unternehmen erlebe:

1. Polarisieren

Mit der Zeit müssen die Polarisierer die Erfahrung eines Konfliktes in ihrer Intensität erhöhen, weil die Reaktion sonst abnehmen wird. Die Struktur der Konfliktmanipulation lehrt Menschen, nicht zu zuhören. Offenheit für das Unbekannte, ohne den Raum zwischen Bekanntem und Unbekanntem ständig mit Konzepten, Sichtweisen oder Dogmen zu füllen, kann zu etwas neuem und in der Vorstellung noch nicht Vorhandenem führen.

Robert Fritz in „Creativity“

Polarisieren ist eine beliebte Vorgehensweise der Motivierung. Hier geht es darum, einen Gegenpol zu schaffen zur jetzigen Situation, die entweder angestrebt oder verteufelt wird. Das ist die Zeit der Feldzüge und Aktionen! Alles okay, aber was ist, wenn nichts mehr außer dem zu hören ist! Wenn es nur noch Aktionen gibt! Dann ist das Getöse im Unternehmen groß und die Erfolge müssen mit immer mehr Aufwand getätigt werden. Und die Realität des Marktes bleibt zunehmend draußen. Was fehlt, ist eine neue Ausrichtung und dafür benötigen Sie Reflektion und Zeit.

Das sieht dann beeindruckend aus, aber es sind gefährliche Strohfeuer, die wir da zünden. Sie halten nicht lange und verkehren sich schnell ins Gegenteil. Es ist die große Zeit der Powerpoint Präsentationen und Excel Schlachten. Das ist genau das Puppentheater was in vielen Unternehmen läuft. Alte Maßnahmen greifen nicht mehr, sie müssen immer schneller durch neue Programme ersetzt werden.

2. Methodenkarussell

Unternehmen möchten immer gerne die Potenziale ihrer Mitarbeiter mobilisieren. Doch so, wie man in Mitarbeiter keine Motivation hineinbekommt, holt man auch keine Potenziale aus ihnen heraus. Menschen kann man nicht zwingen, ihre Potenziale zu entwickeln. Sondern nur Bedingungen dafür schaffen, dass dies möglich wird.

Gerald Hüther, Neurowissenschaftler und Bestsellerautor

Manchmal lösen sich Programme, Methoden, und Vorgehensweisen entweder ab, oder – was schlechter ist – werden einfach zum Bisherigen dazu gestellt. Das „Neue“ soll ebenfalls erledigt werden! Was aber immer bedeutet – so funktioniert unsere Aufmerksamkeit nun mal – das was zuletzt kam, ist am unwichtigsten. Die alten Regeln und Programme bleiben zudem intakt und werden ernst genommen. „Was, das sollen wir jetzt auch noch machen?“ lautet dann eine häufig gehörte Frage. Ja, was denn noch?

Dies ist aber genau der Effekt, den wir natürlich nicht erreichen wollen, in vielen Unternehmen ist dies die Regel. Übrigens die Erfolgreichen sind da weitaus sparsamer mit Programmen. Da gibt es wenige Standardprogramme, jedoch immer mal wieder nachdenkliche Runden oder man trifft sich ziemlich informell. Achten Sie darauf! Weniger tun, bedeutet da mehr erreichen!

Dies geschieht auch nicht immer bewusst. Die wichtigsten Ereignisse und Hinweise auf neue Chancen geschehen meist „zufällig“. Es geht auch nicht so sehr darum, ein „Ziel“ zu formulieren und dann dabei zu bleiben. Durch solche sich ständig wiederholende neue Ansätze wird ignoriert, dass ja nicht die neuen Programme mehr Erfolg bringen und viele empfinden das ebenso. Was wollen „die“ denn noch machen? Ja, das ist oft das Ergebnis: Ratlosigkeit und Unverständnis. Und dies wird durch solche Aktionen induziert. Neue Programme bringen wenig Neues, das erkennen Mitarbeiter sofort. Es entsteht das Empfinden, dass durch die Power point Präsentationen und Excel Schlachten nur eine Menge Wind erzeugt wird. Wirklich kreative Impulse anzapfen funktioniert anders!

Es handelt sich um die unterbewussten Kräfte in uns, die schon wissen, wohin sie wollen und uns dann – wenn wir sie wirken lassen – auch genau dahin führen. Dies gilt einmal persönlich dadurch, dass Sie in informellen Runden Mitarbeitern Raum geben, aber in diesem Ansatz zeigt auch die enorme Effizienz von sich selbst organisierenden Methoden wie Open Space.

Was können Sie tun, um inspirierte Mitarbeiter in Ihrem Team zu sammeln?

  1. Sind Sie ehrlich bei der Vorstellung der Tätigkeit. Mich hat einmal ein Chef bei einem Vorstellungsgespräch durch ein ehrliches Statement beeindruckt: „Das hier ist ein verrückter Haufen! Glauben Sie, das können Sie mitmachen?“ Und er beschrieb mir, was bei ihm im Unternehmen los ist. Und er hatte mich extrem neugierig gemacht!
  2. Achten Sie mehr auf die Begeisterung und die grundlegenden Interessen oder auch das, was den Bewerber in der Vergangenheit begeistert hat, wenn Sie neue Mitarbeiter suchen, als auf formale Qualifikationen. Leuchten dem Bewerber die Augen?
  3. Lassen Sie die Teammitglieder bei der Auswahl von Neuen mitentscheiden und machen Sie einen Probetag aus! Dadurch können Sie die Reaktionen und Anmerkungen Ihrer Mitarbeiter nutzen für ein besseres Verständnis.
  4. Geben Sie Neuen die Möglichkeit, nachdem Sie das Unternehmen kennen lernen konnten, also nach 2 bis 3 Monaten evtl. einen anderen Job im Unternehmen wählen zu können, falls der angetretene nicht genau den Vorstellungen entspricht.
  5. Achten Sie immer darauf, wie Ihre Leute drauf sind! Fragen Sie nach, wenn Sie das Empfinden haben, irgendetwas stimmt nicht. Und nehmen Sie sich Zeit für solche Gespräche.
  6. Nutzen Si informelle Runden, bei denen jeder offen sprechen kann über das, was ihn beschäftigt!
  7. Open Space, World Café, Generativer Dialog sind sich selbst organisierende Methoden, bei denen jeder seine Ideen einbringen kann und die Tagesordnung auf spontane Weise entsteht. Diese Methoden werden heute in vielen Unternehmen bereits mit großem Erfolg eingesetzt.
  8. Achten Sie auf die Atmosphäre dort, wo Ihre Leute tätig sind! Es ist gut, ein Feeling dafür zu entwickeln. Für viele Führungskräfte in Verkauf, Service und Vertrieb ein zentrales Element.

Alles Gute für Sie!
Ihr
Bernd Hofmann

Hochleistung

Wie Sie als Führungskraft Ihre Mitarbeiter zu Hochleistungen anspornen können

Die Best Practices von heute führen morgen in die Sackgasse.

Peter Thiel, Entwickler des Pay Pal Zahlungssystems in seinem Buch: Zero to One

Ich versuchte mein eigenes Verhalten zu reflektieren und zu rekapitulieren: Was hatte ich getan? Welche Einstellungen herrschten bei mir vor? Wie fühlte ich mich selbst dabei? Wodurch könnte ich die Teams beeinflusst haben, dass sie so Außergewöhnliches leisteten? Oder anders ausgedrückt: Wie konnte dies von selbst entstehen, denn so viel hatte ich ja nicht getan! Ich schob in den Jahren darauf alles beiseite, was ich in 20 Jahren Führung und Beratung gelernt hatte! Und: Ich war auch mit einer veränderten Haltung und andern zusätzlichen Elementen an die Veranstaltungen herangegangen.

 Wenige freiheitliche Werte und Regeln.

  • Entwicklungen laufen von selbst, wenn wir sie nicht behindern!

Hier bedeutet es, die Angst zu verlieren, dass der Prozess „aus dem Ruder läuft“ – was immer dies bedeuten mag. Es sind meist fiktive und nicht überprüfte Ängste von Führungskräften, die sich da Bahn brechen. Also unsere unproduktiven Fantasien! Viele Führungskräfte und Berater werden davon permanent geplagt und versuchen deshalb ein strenges Regelgerüst aufzubauen, welches dann dafür sorgt, dass Spontaneität und Energie unterdrückt wird.

  • Gestatten Sie es sich, Sie selbst zu sein und andern, anders zu sein! Ist in der Realisierung nicht einfach, weil wir glauben, Verhalten regulieren zu müssen. Die Wahrheit ist: Menschen regulieren meist im Übermaß selbst, üben also Selbstbeschränkung im Übermaß! Und damit reduzieren sie schon im Voraus ihre eigenen Chancen!
  • Ansonsten nutzte ich die bekannten Regeln für die jeweilige Art der Veranstaltung.

Es waren meine eigenen Werte, die ich – wie jeder – als Hintergrund meiner Arbeit nutzte. Wie sieht es aber aus, wenn Sie selbst vielleicht Angst haben, Freiheit und Offenheit für sich selbst zuzulassen? Dann werden Sie genau dies, ob Sie wollen oder nicht, kommunizieren. Wenn Sie diese Werte jedoch selbst nicht leben können, dann ist es natürlich nicht möglich, damit zu arbeiten. Es hat also keinen Sinn, uns fremde Werte als Basis unserer Arbeit zu nutzen, solange Sie selbst sich nicht in Ihrem eigenen Verhalten als weitgehend selbstbestimmt erleben.

Mancher glaubt allerdings, dem nur durch Versachlichung des menschlichen Kontakts zu entgehen! Dieser Formalisierungsprozess in dem sich viele Kollegen und Führungskräfte verstricken, scheint für diese deshalb so wichtig, weil sie selbst diese Werte nicht leben können. Aber genau dadurch verliert unsere Arbeit ihre innewohnende Kraft!

Es ist die Angst, die Kontrolle zu verlieren und das Überdecken dieses Unbehagens, die Formalisierung vorantreibt! Wir glauben, unsere innere Unsicherheit mit mehr Formalismus – also einem „sicheren“ Konzept entgegentreten zu müssen. Und diese Angst strahlen wir natürlich unbewusst aus, entsprechend Paul Watzlawiks: „Jede Kommunikation beinhaltet eine Sach- und eine Beziehungsebene!“ Aus diesem Grund vermied ich es auch, mit Unternehmen oder Teams zu arbeiten, die ich – aus irgendeinem Grunde – nicht mochte!

Grundlegendes Vertrauen in die Fähigkeiten der Teams

Ich habe eigentlich nie ein Team erlebt, welchem ich es nicht zugetraut hätte, dass es seine Probleme alleine lösen kann! Vielleicht hat mir diese Sicherheit es auch erspart, tatsächlich mal das Gegenteil zu erfahren? Jedenfalls habe ich immer ein unerschütterliches Vertrauen in die Fähigkeiten von Leistungsteams!

Empathie statt formales Vorgehen

Empathie – die Fähigkeit, mit zu empfinden, ist etwas was wir selbst entfalten. Am besten durch einen engen Umgang mit Menschen aber auch durch achtsamen Umgang mit uns selbst, unseren Empfindungen und Bedürfnissen.

Ich habe immer Umgebungen gescheut, in denen es sehr formal zuging. Seit langem lebe ich in einer mediterranen Kultur. Schon als Kind fühlte ich mich hier wohl und dies hat sich immer wieder fortgesetzt. Und so entschloss ich mich irgendwann, da zu leben.

Was ist das Charakteristische im Unterschied zu Mitteleuropa? Es sind andere Prioritäten beim Aufbau einer Beziehung. Ich selbst achte, wie die meisten Menschen in mediterranen Kulturen, zuerst darauf, eine persönliche Beziehung zu meinem Gegenüber aufzubauen, bevor ich mit ihm über Geschäftliches rede. Dies ist in Mitteleuropa meist anders. Da pflegt man eine persönliche Beziehung dann, wenn das Geschäftliche geklappt hat! Beide Herangehensweisen haben natürlich Vorteile, aber die mediterrane Art öffnet natürlich Menschen weit schneller, besonders die Mitteleuropäer, weil die es nicht so gewohnt sind. Deshalb sagten auch fast alle Teilnehmer immer bei meinen Veranstaltungen: „Wir hatten so schnell einen lockeren und angenehmen Umgang miteinander.“

Dazu benötigen Sie natürlich ein gewisses Maß an Empathiefähigkeit. Ich habe festgestellt, dass sich dafür die Arbeit mit Menschen und natürlich eine große Patchworkfamilie in der ich selber stecke sehr gut eignet mit ihren vielen unterschiedlichen Beziehungen, um dies zu lernen! Ein sehr gutes Trainingsfeld. Viele jüngere Kollegen und Chefs haben dies natürlich nicht und setzen deshalb auf Formalisierung. Natürlich treiben Sie auch die Energie  aus einem Team. Schade!

Weshalb tritt eigentlich eine Formalisierung überhaupt ein?

Was entstand in den letzten Jahrzehnten so nebenbei? Eine Formalisierung der einst so kreativen und empathischen Regeln der Moderation, die Ende der 70er Jahre entstand. Es ist vorwiegend ein Angstimpuls der Leitenden, die Kontrolle nicht zu verlieren! Genau dies scheint jetzt mit neuen kreativen Methoden, wie Open Space etc. – die natürlich Intellekt und Empathie benötigen – ebenfalls zu passieren.

Was geschieht in der Formalisierung?

Formalisierung ist immer ein Prozess des Sich-unbewusst-Machens. Und damit ein Übergehen unserer Empfindungen und Wahrnehmungen. Es macht uns ein Stück immun gegen Ängste, aber auch gegen Spaß und Energie! Aber das Schlimmste: Es macht uns immun gegen das Leben und seine Veränderungen! Dadurch wird eine Erfahrung instrumentalisiert, weil wir glauben, wir können sie wiederholen und damit die Erfolge der Vergangenheit! Wir versuchen die empathische, mitempfindende emotionale Seite verstandesmäßig zu behandeln. Es ist wie der Unterschied zwischen einem flatternden Schmetterling in seiner Pracht und Schönheit und einem solchen mit einer Nadel aufgespießt hinter Glas. Damit geht natürlich eines raus: das persönliche Empfinden! Und damit auch die Energie!

In Unternehmen gibt es dann keine Veränderungen mehr – was natürlich ist – sondern Change Programme – aha! Achten Sie mal, wie in Ihrem Unternehmen mit Begriffen umgegangen wird! Je weiter weg wir uns da von dem Kontakt mit Mitarbeitern und Kunden bewegen, desto mehr Begriffe, Programme, neue „Philosophien“ eine Rolle spielen und sich immer schneller abwechseln, als desto abgehobener werden die Aktivitäten im Unternehmen empfunden.

Übermäßiges Gebrauchen von Begriffen, je mehr Gerlish, desto mehr begünstigt diese Sprache den Verstand, Formalisierung, überbordender Gebrauch von Fremdworten. Demgegenüber begünstigt eine anschauliche, einfache Sprache im Unternehmen, ein guter persönlicher Umgang die empathische Seite unseres Lebens und Arbeitens. So einfach ist das!  In einigen Unternehmen gibt es auch Parallelen zwischen dem kaum vorhandenen Erfolg und der Versachlichung! Je mehr Versachlichung und schwurbelige Begriffe, desto weniger Erfolg!

Herzlichst Ihr
Bernd Hofmann