Grundeinstellung „Ich bin o.k. – Du bist nicht o.k.“

Nach der Einführung in das Thema Grundeinstellung zu mir und anderen Menschen und der Grundeinstellung (+ +) geht es nun weiter mit der nächsten möglichen Grundeinstellung.

Grundeinstellung (+ -)

Menschen in dieser Position reagieren arrogant, überheblich oder haben eine überzogen fürsorgliche Haltung. Sie sind schnell in ihrem Verhalten angreifbar. Sie fühlen sich irrtümlich überlegen, indem sie herablassend kritisieren oder ungebeten helfen aus der überkritischen oder überfürsorglichen Eltern-Haltung.

Führungskräfte mit dieser Grundposition sagen den anderen zwar gerne, was sie tun sollten, sind aber häufig kaum in der Lage, ihre eigenen Probleme zu lösen, die sie vielfach auch nicht deutlich genug sehen. Sie schieben die Schuld sehr gerne ab. Sie zwingen den anderen etwas auf, indem sie ausschließlich ihre eigenen Maßstäbe anlegen. Sie verfahren nach dem Motto: Fehler machen nur die anderen; wenn etwas nicht nach Plan geht, sind die anderen schuld. Diese Haltung dient oft dazu, das eigene „Nicht-o.k.“-Verhalten zu überdecken. Führungskräfte mit dieser Einstellung umgeben sich gerne mit Ja – Sagern. Sie besitzen zudem ein hohes Maß an Misstrauen. So verweigern solche Führungskräfte ihren Mitarbeitern Anerkennung, weil sie glauben, dass die Mitarbeiter daraus einen Vorteil ziehen und dies als Zeichen von Schwäche interpretieren würden.

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Grundeinstellung ++

Grundeinstellung „Ich bin o.k. – Du bist o.k.“

Nach der Einführung in das Thema Grundeinstellung zu mir und anderen Menschen geht es nun weiter mit den einzelnen, bereits erwähnten Grundeinstellungen.

Grundeinstellung (+ +)

Menschen mit dieser Grundposition geben sich und anderen den gleichen Stellenwert, erkennen an, dass andere Menschen anders sind, bewerten bei anderen das Verhalten, jedoch nicht ihren Wert.

Führungskräfte mit der (+ +)-Grundposition können eine Situation realistisch bewerten, Entscheidungen selbstständig treffen, die Folgen von Entscheidungen abschätzen und die Konsequenzen tragen. Führungskräfte mit dieser Einstellung vertrauen den Menschen in ihrer Umgebung, solange dieses Vertrauen nicht in krasser Weise zerstört wird.

Die Autoren James und Jongeward bezeichnen solche Personen als „Gewinner“. Diese Menschen sehen die Realität so wie sie ist – und nicht wie sie sie haben möchten. Sie leben bewusst in der Gegenwart, ohne allerdings die Vergangenheit zu verleugnen und ohne vor der Zukunft die Augen zu verschließen. Ein Gewinner ist autonom. Er reagiert nicht mit fixierten Verhaltensmustern, sondern unmittelbar und realitätsbezogen. Gewinner können es sich leisten, Fehler zu begehen und sich auch vorübergehend unsicher zu fühlen, ohne dass sie den Glauben an sich selbst verlieren.

Hier finden Sie die weiteren Teile dieser Serie:

Grundeinstellung

Die Grundeinstellung zu mir und anderen

Eric Berne „erfand“ die mit der sog. Transaktionsanalyse verbundenen Grundeinstellungen mit den Begriffen „o.k.“ und „nicht o.k.“. Diese kennzeichnen die existentielle Grundeinstellung eines Menschen. Diese Grundeinstellung ist eine weitgehend konstante Haltung. Sie kommt dann deutlich zum Ausdruck, wenn jemand in irgendwelche Schwierigkeiten gerät. Die Grundeinstellung entspricht der Farbtönung der Brille, durch die wir uns selbst und die Welt „wahr“-nehmen. Es gibt vier fundamentale Lebensgrundpositionen, die mit den folgenden Formeln beschrieben werden, wobei das Wort „ich“ durch „wir“ ersetzbar ist, und statt „du“ auch „sie“ stehen kann.

Ich bin o. k./Du bist o. k.                                ( + + )
Ich bin o. k./Du bist nicht o. k.                        ( + – )
Ich bin nicht o. k./Du bist o. k.                        ( – + )
Ich bin nicht o. k./Du bist nicht o. k.               ( – – )

Diese „Ich bin o. k./Du bist o. k.“ – Grundeinstellung wie der gleichlautende Titel des Bestsellers von Harris (1974), hat nichts mit Sozialromantik zu tun. „Ich bin o. k.“ heißt auch: Ich sage „ja“ zu mir, so wie ich bin, mit all meinen Sonnen- und Schattenseiten. Es ist eine Selbstwertschätzung. „Du bist o. k.“ bedeutet: Ich sage „ja“ zum anderen mit seinen Vor- und Nachteilen. Es ist das Maß meines Vertrauens in die Fähigkeit anderer.

Nun kann man ja nicht jeden Verbrecher mit einem „o. k.“ annehmen. Deshalb wird von Fanita English noch eine fünfte Grundposition vorgeschlagen: „Ich bin o.k./Du bist o.k – realistisch“. Sie meint damit das o.k.-Gefühl des Erwachsenen-Ichs im Unterschied zum ursprünglichen “Ich bin o.k./Du bist o.k.“ im Kindheits-Ich.

Lebensgrundpositionen sind Entscheidungen über den Wert, den eine Person hat. Sie bilden sich bereits in der frühen Kindheit im Umgang mit den Bezugspersonen und der Realität heraus. Später sind die Lebensgrundpositionen Wahrnehmungsfilter. Wer einmal eine Grundposition bezogen hat, neigt dazu, die Welt in der Weise zu sehen und zu erleben, die seine Haltung rechtfertigt und damit aufrechterhält.

„Brave“ Kinder entwickeln häufig eine (- +) – Grundposition. Sie sehen später oft das Positive nicht an sich und wehren z. B. Komplimente ab. Wenn einem Kind das „Bravsein“ im Umgang mit den Eltern nicht hilft, weil der Erziehungsstil widersprüchlich ist, entwickelt es oft eine (+ -) – Grundposition. Es wird später dann das Gute und Positive bei den anderen nicht sehen.

Wir werden in den kommenden Beiträgen näher auf die einzelnen Grundpositionen eingehen, da diese sehr spannend sind, auch und gerade im Führungs- oder Trainingskontext.
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Grundeinstellung ( + + )
Grundeinstellung ( + – )
Grundeinstellung ( – + )
Grundeinstellung ( – – )

Lexikon

Dialektik – Was ist das eigentlich?

„Dialektik & Argumentation“ ist ja einer der Themenbereiche hier im Blog – aber was ist das eigentlich, diese Dialektik?

Die Wikipedia sagt, früher war das eine „Methode der Gesprächsführung oder Argumentation sowie den Bereich, der heute mit Logik bezeichnet wird“. Das hat sich dann aber ein wenig gewandelt und heutzutage meint Dialektik die „Lehre von den Gegensätzen in den Dingen bzw. den Begriffen sowie die Auffindung und Aufhebung dieser Gegensätze“.

Äh, was?

Also, ganz einfach, es geht um das, was wir in der Schule für Aufsätze gelernt haben:
These – Antithese – Synthese

In der These wird eine Argumentationsmöglichkeit aufgezeigt. Dieser wird die genau gegenteilige Argumentation der Antithese gegenübergestellt. Und am Ende ergibt sich in der Synthese eine Lösung oder ein neues Verständnis des Sachverhalts.

Alles klar?

Der Duden drückt es übrigens ein wenig einfacher aus: Dialektik ist die „Fähigkeit, den Diskussionspartner in Rede und Gegenrede zu überzeugen“.

Und das „Philosophische Kopfkino“ von 3Sat ist ebenfalls dieser Frage nachgegangen und erklärt die Dialektik in diesem Video:

Weitere spannende Folgen der Serie „Philosophisches Kopfkino“ finden Sie auf der Seite von 3Sat.

Viel Spaß beim Anschauen!