Ich-Botschaft Anzug

Ich-Botschaft: Vier Wochen der gleiche Anzug

Die Situation: Sie leiten seit einem Jahr ein Kundenprojekt für einen großen Bekleidungshersteller. Ein Kollege Ihrer Projektgruppe fiel Ihnen schon in der Vergangenheit auf, da er täglich den gleichen Anzug trug. Er war jetzt zwei Wochen im Urlaub. Heute ist er zurück und hat wieder denselben Anzug an – offensichtlich ungereinigt, da die Sitzfalten und ein Fleck, der Ihnen bereits vor dem Urlaub aufgefallen ist, deutlich zu sehen sind.  Es wird Zeit für eine Rückmeldung. Nach dem Meeting sprechen sie Ihren Kollegen unter vier Augen an.

Ich-Botschaft

Eine heikle Situation, denn Ihr Kollege könnte sich sehr schnell persönlich angegriffen fühlen. Sie wissen nicht, warum er so handelt, wie er nun einmal handelt. Versuchen Sie also, auch diese Situation mit einer Ich-Botschaft zu lösen: „Unser Kunde legt sehr großen Wert auf Kleidung und das äußere Erscheinungsbild. Mir ist aufgefallen, dass du seit einigen Wochen den gleichen Anzug trägst. Das kann auf unseren Kunden unprofessionell wirken, was ich vermeiden möchte, da es auch auf mich und das ganze Team Auswirkungen haben kann. Daher erwarte ich, dass du zukünftig mindestens einmal pro Woche den Anzug wechselst. Kannst du das nachvollziehen?“

Haben Sie Fragen zu bestimmten Situationen, die Sie mit einer Ich-Botschaft lösen möchten? Haben Sie Beispiele, welche Situation Sie mit einer Ich-Botschaft gelöst haben? Nutzen Sie die Kommentarfunktion…

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Zuarbeit noch nicht fertig

Ich-Botschaft: Zuarbeit noch nicht fertig

Sicher waren Sie auch schon einmal in einer solchen Situation. Sie brauchen beispielsweise von Ihrer Teamsekretärin dringend mehrere Präsentationsfolien für die Besprechung mit einem wichtigen Kunden. Das Meeting beginnt in 2 Stunden. Sie hatten mit ihr am Vorabend ausgemacht, dass die Folien morgens um 9.00 Uhr auf Ihrem Schreibtisch liegen. Nun ist es 10.00 Uhr. In den letzten Wochen kam es häufiger vor, dass sie etwas vergessen oder zu spät geliefert hatte. Sie erreichen sie nicht über das Telefon, daher gehen Sie runter in ihr Büro. Auf dem Weg dorthin treffen Sie sie in der Kaffeeecke. Sie unterhält sich angeregt mit einer anderen Kollegin.

Ich-Botschaft

Ganz klar: Sie sind auf hundertachtzig! Während Sie auf die Folien warten und die Zeit drängt, steht die Sekretärin in der Kaffeeecke rum und tauscht den neuesten Büroklatsch aus. Versuchen Sie dennoch ruhig zu bleiben und sprechen Sie sie am besten mit einer Ich-Botschaft an: „Hallo, entschuldige bitte die Störung. Kann ich dich mal kurz sprechen? Ich habe ja in 2 Stunden das wichtige Kundenmeeting, für das ich von dir die Präsentationsfolien brauche, über die wir gestern gesprochen hatten. Leider habe ich bisher die Folien noch nicht erhalten, was mich gerade ziemlich stresst, da ich mich vorbereiten möchte. Kannst du mir die Folien bitte so schnell wie möglich zur Verfügung stellen? Danke!“
So vermeiden Sie einen langwierigen offenen oder schwelenden Konflikt und erhalten Ihre Folien sicherlich deutlich schneller, als wenn Sie sich in dieser Situation mit der Teamsekretärin „anlegen“.

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Kundenpräsentation

Ich-Botschaft – Die gekaperte Kundenpräsentation

Sie halten zu zweit eine Kundenpräsentation zu einem neuen Konzept bei einem strategisch wichtigen Kunden. Sie haben beide zusammen das Konzept und die Präsentation vorbereitet. Ihr Partner hat Ihnen bereits mitgeteilt, dass Sie beide in das nachfolgende Projekt eingebunden sind, sofern Sie den Kunden überzeugen können. Insofern möchten Sie beide einen guten ersten Eindruck hinterlassen. Zu Beginn stellt sich Ihr Kollege zuerst vor und leitet Ihre Vorstellung mit den Worten „Mein Kollege xy wird mich heute bei der Präsentation unterstützen“ ein. Im Laufe der Präsentation übernimmt Ihr Kollege zunehmend mehr Redeanteile – auch Passagen, die Sie präsentieren sollten. Auch spricht er überwiegend von seinem Konzept. Nach der Präsentation sprechen Sie ihn an.

Ich-Botschaft

Sie fühlen sich, schlichtweg gesagt, angepisst und hintergangen. Das ist nur allzu verständlich. Am liebsten würden Sie Ihren Kollegen zur Rede stellen, doch dann wäre ein offener Konflikt die Folge. Atmen Sie also mehrfach ruhig durch und konfrontieren Sie Ihren Kollegen mit folgender Ich-Botschaft: „Ich konnte im Rahmen der Präsentation nicht die Parts präsentieren, die wir im Vorfeld abgesprochen hatten. Auch vermittelten Formulierungen wie z.B. „meine Präsentation“ oder „mein Kollege wird mich unterstützen“ den Eindruck, dass es mehr dein als unser Konzept ist. Dadurch habe ich mich in der Präsentation sehr unwohl gefühlt und habe sicherlich auch keinen gleichwertigen Eindruck bei dem Kunden hinterlassen. Daher erwarte ich von der weiteren Zusammenarbeit, dass wir als gleichberechtigtes Team auftreten und die Absprachen eingehalten werden. Ansonsten finde ich eine weitere Zusammenarbeit schwierig. Wie siehst du das?“

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Privattelefonate

Ich Botschaft – Störende Privattelefonate

Sie arbeiten zu viert in einem Büro und eine Kollegin telefoniert viel und leider auch recht laut. Oftmals sind es auch private Telefonate mit ihrem Mann, ihren Kindern und ihrer Mutter. Sie sind gerade am Vorbereiten eines wichtigen Projektes und brauchen dazu alle Ihre Konzentration. Sie haben leider keine Möglichkeit, den Raum zu wechseln. Es ist nicht nur der akustische Hintergrund, der Sie dabei beeinträchtigt – in der Zeit der privaten Telefonate müssen Sie und die anderen Kollegen auch noch sämtliche Anrufe für die „dauertelefonierende“ Kollegin entgegennehmen, was Sie zusätzlich bei Ihrer Arbeit behindert. Sprechen Sie Ihr Anliegen gegenüber der Kollegin an.

Ich-Botschaft

Sie wissen bereits, dass eine Du-Botschaft in diesem Fall unweigerlich zu einem offenen Konflikt führen wird. Daher klären Sie die Situation am besten mit Hilfe einer klaren Ich-Botschaft: „Ich arbeite gerade an einem wichtigen Projekt. Daher ist es für mich wichtig, möglichst ungestört daran arbeiten zu können. Aktuell ist es hier im Büro durch die vielen Telefonate recht unruhig. Darüber hinaus laufen alle Anrufer, die dich nicht erreichen können, auf mein Telefon, was mich zusätzlich ablenkt. Daher meine Bitte, etwas zu leiser telefonieren und dich auf die wichtigsten Telefonate beschränken, damit ich keine Telefonate mehr annehmen muss. Geht das für dich?“

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Ich-Botschaft - Laute Tür

Ich-Botschaft – Laute Tür

Zweites Beispiel für Ich-Botschaft und Du-Botschaft: “ Die laut geschlossene Tür“

Sie arbeiten konzentriert am PC in einem Büro mit mehreren Arbeitsplätzen. Ein Kollege kommt rein und schließt sehr laut die Tür – Sie erschrecken sich.

Du-Botschaft

„Mach mal nicht so einen Lärm, da erschreckt man sich ja zu Tode“ oder „Du hast mich zu Tode erschreckt. So was von rücksichtslos. Mach die Tür in Zukunft gefällig leiser zu.

Die Du-Botschaft klingt vorwurfsvoll und wirkt in den meisten Fällen eskalierend!

Ich-Botschaft

„Ich arbeite gerade konzentriert an einem Konzept und habe mich sehr erschrocken, als die Tür zuschlug. Bitte schließe die Tür zukünftig leiser. OK?“

WIE SIND IHRE ERFAHRUNGEN MIT ICH-BOTSCHAFTEN?
Für welche Situationen suchen Sie eine gute Ich-Botschaft?
Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen, wir bereiten Ihr Beispiel dann gerne für den Blog auf!

Ihr
Andreas Straub

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